Ratgeber · Aktualisiert Juni 2026
Kosten beim Immobilienverkauf 2025: Was bleibt am Ende übrig?
§1 Grunderwerbsteuer (§ 12 GrEStG)
Die Grunderwerbsteuer fällt beim Kauf einer Immobilie an und wird vom Käufer gezahlt. Bei einem Weiterverkauf beeinflusst sie den erzielbaren Preis indirekt, da Käufer die Steuer in ihre Kalkulation einbeziehen. Sie beträgt 3,5–6,5 % des Kaufpreises je nach Bundesland und ist die größte einzelne Nebenkostenposition.
| Bundesland | Satz | Kaufpreis 300.000 € | Kaufpreis 500.000 € |
|---|---|---|---|
| Bayern | 3,5 % | 10.500 € | 17.500 € |
| Hamburg | 4,5 % | 13.500 € | 22.500 € |
| Niedersachsen | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Bremen | 5,5 % | 16.500 € | 27.500 € |
| Sachsen | 5,5 % | 16.500 € | 27.500 € |
| NRW / Brandenburg / Schleswig-Holstein | 6,5 % | 19.500 € | 32.500 € |
Tipp: In Bayern (3,5 %) zahlen Käufer bei einem 500.000-€-Objekt 15.000 € weniger Grunderwerbsteuer als in NRW (32.500 €). Das beeinflusst, welchen Aufpreis Käufer in Niedrigzinsphasen bereit sind zu zahlen — und wirkt sich damit auf Ihre Verhandlungsposition aus.
Die Grunderwerbsteuer ist nicht verhandelbar — aber du kannst den steuerpflichtigen Kaufpreis senken, wenn bewegliches Inventar (Einbauküche, Markise) separat und realistisch bewertet im Kaufvertrag steht. Das ist kein Trick, sondern legales Steuersparen. Besprich das mit dem Notar vor Vertragsschluss.
§2 Maklerprovision
Die Maklerprovision (Courtage) ist die Vergütung des Immobilienmaklers für Vermittlung. Seit Dezember 2020 gilt das Gesetz zur Teilung der Maklerkosten: Bei Wohnimmobilien teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision hälftig. Üblich: 3 % zzgl. 19 % MwSt. = 3,57 % je Seite, gesamt 7,14 %.
| Szenario | Provision Verkäufer | Provision Käufer | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Einfamilienhaus, 450.000 €, Einmakler (Verkäufer) | 16.065 € | — | 16.065 € |
| Doppelmakler (beide Parteien) | 16.065 € | 16.065 € | 32.130 € |
| Eigenverkauf (ohne Makler) | 0 € | — | 0 € |
Tipp: Nicht jeder Makler verlangt 3,57 %. Regional und bei exklusiven Aufträgen sind 2,0–2,5 % je Seite verhandelbar. Fragt euch: Lohnt sich der Makler für den Aufpreis? Mit VerkaufsPilot (79 € einmalig) bereitet ihr euch professionell vor — ohne diese Provision.
Wenn ihr ohne Makler verkauft, spart ihr die Provision komplett — aber ihr tragt alle Kosten für Exposé, Fotos, Inserate, Besichtigungen und Verhandlungen selbst. Macht die Rechnung auf: 14.280 € gespart vs. geschätzt 5–8 Stunden Aufwand pro Woche über mehrere Monate. Für vielbeschäftigte Eigentümer ist ein Makler oft billiger als der eigene Zeitaufwand.
§3 Notar- & Grundbuchkosten
Jeder Immobilienkauf in Deutschland muss notariell beurkundet werden. Die Kosten richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und sind bundeseinheitlich. Zum 1. Juni 2025 stiegen die Gebühren um 6–9 %.
| Kostenart | Anteil am Kaufpreis (ca.) | Bei 400.000 € |
|---|---|---|
| Notar (Beurkundung, Beglaubigung) | 1,0–1,5 % | 4.000–6.000 € |
| Grundbuch (Eintragung) | 0,4–0,6 % | 1.600–2.400 € |
| Gesamt (ca.) | 1,5–2,0 % | 6.000–8.000 € |
Tipp: Notar- und Grundbuchkosten sind gesetzlich festgelegt und nicht verhandelbar. Aber: Eine saubere Vertragsgestaltung mit korrekter Aufteilung (Inventar separat ausweisen) senkt die steuerliche Bemessungsgrundlage für Grunderwerbsteuer und Notargebühren.
Käufer und Verkäufer teilen sich die Notar- und Grundbuchkosten in der Regel hälftig. Der Notar zeigt den Kaufvertrag dem Finanzamt (§ 18 GrEStG). Die Grunderwerbsteuer wird ca. 6–8 Wochen nach Beurkundung fällig — haltet diese Summe in der Finanzierungsplanung bereit.
§4 Vorfälligkeitsentschädigung
Wer seinen Immobilienkredit vor Ablauf der Zinsbindung ablöst (z. B. wegen Hausverkauf), muss der Bank eine Entschädigung für entgangene Zinsen zahlen — die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung (VFE) gemäß § 490 Abs. 2 BGB. Typisch: 5–10 % der Restschuld, bankindividuell berechnet.
| Szenario | Restschuld | Sollzins | Restlaufzeit | VFE (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Mittleres Szenario | 280.000 € | 3,2 % | 7 Jahre | 6.500–9.000 € |
| Kurze Restlaufzeit | 180.000 € | 2,1 % | 5 Jahre | 3.200–5.500 € |
| Hochzins-Altvertrag (2018) | 400.000 € | 4,8 % | 9 Jahre | 18.000–25.000 € |
Tipp: Nutze den FMH-Vorfälligkeitsrechner oder den Rechner von Dr. Klein, um vorab einen Richtwert zu erhalten. Lass die Bankberechnung immer von der Verbraucherzentrale oder einem Fachanwalt prüfen — zu hohe Berechnungen sind dokumentiert und angreifbar.
Nach 10 Jahren Laufzeit steht euch ein Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB zu: Kündigung mit 6 Monaten Frist, keine VFE. Prüft, ob euer Kredit bereits über die 10-Jahres-Grenze ist. Auch bei variablem Zinssatz oder nachweislichen Fehlern im Darlehensvertrag (falsche Widerrufsbelehrung) entfällt die VFE.
§5 Spekulationssteuer (§ 23 EStG)
Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien innerhalb von 10 Jahren nach Kauf sind steuerpflichtig als private Veräußerungsgeschäfte. Der Steuersatz ist der persönliche Einkommensteuersatz (14–45 %) auf den Reingewinn. Freigrenze: 600 € pro Jahr.
| Situation | Spekulationssteuer? | Details |
|---|---|---|
| Eigennutzung (Verkaufsjahr + 2 Vorjahre) | ✗ Entfällt | 3-Jahres-Regel |
| Vermietet oder leer + innerhalb 10 Jahre | ✓ Möglich | Gewinn × Steuersatz |
| Kauf > 10 Jahre her | ✗ Entfällt | Spekulationsfrist abgelaufen |
| Erbschaft (Erblasser-Frage fortgeführt) | ✗ Entfällt ggf. | 10-Jahres-Frist des Erblassers wird fortgeführt |
Beispielrechnung: Kauf für 280.000 €, verkauft nach 7 Jahren für 380.000 € → Anschaffungskosten inkl. Nebenkosten: ca. 295.000 € → Gewinn: 85.000 € × persönlicher Steuersatz 30 % = 25.500 € Spekulationssteuer. Mit Eigennutzung im Verkaufsjahr + 2 Vorjahren: 0 €.
Tipp: Die 10-Jahres-Frist beginnt mit dem Datum des notariellen Kaufvertrags, nicht mit Einzug oder Grundbucheintragung. Bei Erbschaft wird die Frist des Erblassers fortgeführt (Beispiel: Erblasser kaufte vor 8 Jahren → Erbe verkauft steuerfrei nach nur 2 weiteren Jahren).
Nutzt die 3-Jahres-Eigennutzungsregel: Zieht mindestens ein Jahr vor dem geplanten Verkauf selbst ein und bleibt bis zum Verkauf als Hauptwohnsitz gemeldet. Schon ein Tag Eigenutzung pro Kalenderjahr in Verkaufsjahr + 2 Vorjahren reicht. Wer das nicht kann: Frist abwarten (10 Jahre + 1 Tag = sicher). Bei vermieteter Immobilie: Werbungskosten (Makler, Notar, Sanierung) mindern den Gewinn.
§6 Energieausweis
Der Energieausweis ist beim Immobilienverkauf gesetzlich Pflicht (Gebäudeenergiegesetz, GEG). Er dokumentiert die Energieeffizienz (Klasse A+ bis H) und muss bereits in der Immobilienanzeige angegeben werden. Beim Verkauf muss er spätestens bei der Besichtigung im Original vorgelegt werden.
| Typ | Kosten | Anmerkung |
|---|---|---|
| Verbrauchsausweis (online) | 100–200 € | Nur bei Baujahr nach 1977 oder saniert |
| Bedarfsausweis (einfach) | 200–400 € | Mit Vor-Ort-Begehung |
| Bedarfsausweis (qualifiziert) | 400–800 € | Detaillierte Analyse, für Altbauten Pflicht |
| Für WEG (Mehrfamilienhaus) | 300–1.500 € | Nach Miteigentumsanteilen |
Tipp: Für unsanierte Altbauten (Bauantrag vor 1. November 1977) ist zwingend ein Bedararfsausweis erforderlich — ein Verbrauchsausweis reicht nicht aus. Plant 2–4 Wochen Vorlauf ein, da Energieberater in der Verkaufssaison stark gebucht sind. Mehr zu den Pflichten beim Energieausweis →
Ohne gültigen Energieausweis droht ein Bußgeld von bis zu 10.000 €, und einige Notare lehnen die Beurkundung ab. Wenn eure Immobilie eine schlechte Effizienzklasse hat (F–H): Eine neue Heizung (z. B. Wärmepumpe, 15.000–25.000 €) kann die Klasse um 1–2 Stufen verbessern — das steigert den Verkaufspreis oft um mehr als die Investition.
§7 Weitere Kosten beim Immobilienverkauf
Neben den großen Posten fallen beim Immobilienverkauf weitere Kosten an, die oft vergessen werden:
| Kostenpost | Typische Spanne | Anmerkung |
|---|---|---|
| Gutachter / Wertermittlung | 300–1.500 € | Qualifizierter Sachverständiger für realistische Preisfindung |
| Rechtsberatung | 500–2.000 € | Optional, aber bei komplexen Fällen empfehlenswert |
| Umzugs-/Renovierungskosten | 2.000–15.000 € | Je nach Zustand der Immobilie |
| Staging / professionelle Fotos | 300–1.500 € | Investition, die sich in höherem Verkaufspreis auszahlt |
| Inserate (Eigenverkauf) | 100–500 € | Plattformgebühren, ohne Makler |
| Kleine Sanierungen vor Verkauf | 1.000–10.000 € | Schönheitsreparaturen steigern den erzielbaren Preis |
§8 Nettoerlös-Zusammenfassung — Was bleibt am Ende?
Beispiel: Eigenverkauf, NRW, 400.000 €, ohne Makler, ohne VFE, ohne Spekulationssteuer
| Grunderwerbsteuer (6,5 %) | −26.000 € |
| Maklerprovision (Eigenverkauf) | 0 € |
| Notar & Grundbuch (~1,75 %) | −7.000 € |
| Energieausweis (Bedarf) | −500 € |
| Gutachter | −800 € |
| Nettoerlös | ≈ 365.700 € |
Beispiel: Mit Makler (3,57 %), mit VFE (7.000 €), mit Spekulationssteuer (15.000 €)
| Grunderwerbsteuer (6,5 %) | −26.000 € |
| Maklerprovision (3,57 %) | −14.280 € |
| Notar & Grundbuch | −7.000 € |
| Vorfälligkeitsentschädigung | −7.000 € |
| Spekulationssteuer | −15.000 € |
| Energieausweis + Gutachter | −1.300 € |
| Nettoerlös | ≈ 329.420 € |
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